03.08.2010
Urlaub?
So, mir sind wieder da.
Viele fragen mich, wie der Urlaub war. Ich kann echt keine klare Antwort geben.
Wie immer auf der Fähre von Stahlbrode merkte ich, wie sich einige Verspannungen und schlechte Stimmungen langsam auflösten. Die Sachen, die zu Hause liegen geblieben waren, der Kummer über die Tatsache, dass ich eben nicht alles schaffen kann und die drückende Verantwortung die ich meinen Kindern gegenüber empfinde – konnte ich eben jetzt nicht mehr ändern. Es wird schon werden!!!
Wenn ich gewusst hätte…
Im letzten Eintrag habe ich z.B. unseren Tierarzt erwähnt.
Und wurde bitterlich enttäuscht..
Frida ging es immer schlechter und nach der langen Anreise nach Baabe war der Ofen bei meiner Froindin aus. Sie hat gewimmert, hatte nichts gefressen und lag nur noch apathisch in ihrem Körbchen.
In mir stieg Panik auf. Unser Tierarzt meinte, nach Einnahme der verschriebenen Tabletten wäre die kurzzeitige Hüft oder (!) Knieverrenkung vorbei. Das Gegenteil war der Fall. Also hab ich einen Tierarzt in Samens aufgetrieben und bin dahingefahren. Was der mir sagte, ließ mir den Glauben abfallen und die Wut kalt hochkochen!! Frida hat wahrscheinlich einen Kreuzbandriss und eine ausgekugelte Kniescheibe am linken Hinterlauf.
Jetzt wusste ich, warum sie weinte! Das hätte ich wohl auch getan….
Kaum zu beschreiben, was ich in diesem Augenblick empfunden habe. Ich war traurig und litt wirklich mit meiner Froindin , fühlte mich verraten von unserem Tierarzt und vor allem fühlte ich mich allein. Hätte sich der Arzt nicht einfach mal ein bisschen mehr Zeit nehmen können? Oder uns woanders hingeschickt. Verdammt, das ist fies!
Die nächsten Tage hab ich in einer fürchterlichen Zwickmühle verbracht. Ich wollte so gern die Mädels über die Mönchsguter Halbinsel jagen. Mit Proviant im Gepäck und dem Fotoapparat in der Hand… Am Strand liegen, Fruchtquark essen, mit dem rasenden Roland über Rügen "jagen"…Sellin und Göhren per Pedes erkunden, Muscheln und Steine und haufenweise Strandgut sammeln und dabei den ganzen Chemnitzer Stadtmief aus unseren Lungen pumpen…
Leider ging das nicht. Ich musste täglich zum Tierarzt und da die Mädels sich nicht auskannten, mussten sie halt warten, bis ich wieder da war. Fehlt mir noch, dass eine abhanden kommt…
So verbrachten wir die ersten Tage fast nur in diesem Appartmenthaus, von dem ich immer noch glaube, dass das aus verschwundenen Parteigeldern finanziert wurde.
Bloß gut, dass ich kontaktfreudig bin ;-) So konnte ich meine "obendrüber- Nachbarn" überzeugen, den nächsten Tag die Mädels früh mit an den Strand zu nehmen. (Danke Yves und Tina, falls ihr das lest!) Das hat auch alles geklappt. Nur fiel mir erst im Wartezimmer vom Doc auf, dass ich ja nicht mal weiß, wie die zwei mit Namen heißen!! Mein Gott, ich habe die Kinder praktisch wildfremdem Menschen mitgegeben von denen ich nur die Automarke kenne! Am liebsten hätte ich mir in diesem Augenblick selber eine geknallt. Wie eine Bekloppte bin ich hupend und überholend (Diese Scheiß Touris überall!!) zurückgefahren, hab mich umgezogen und wie eine Wilde in die Bimmelbahn von Baabe gestürzt. Wo sind die Mädels? Sind sie noch da? Oder schon auf dem Weg nach Portugal? Mensch, verdammt, keiner fährt doch ohne Grund einen "TT"!!
Und dann am Strand lagen meine Mäd´s in trauter Gemeinsamkeit mit den Zwickauern am Strand ! Hab ich´s doch gewusst.. Trotzdem hab ich die zwei erst mal nach ihren Namen gefragt. Es war ihnen übrigens auch aufgefallen, dass ich plötzlich weg war ohne meinen Namen zu nennen!!! Irgendwie machten sie sich wohl auch Sorgen, plötzlich die drei an der Backe zu haben ….
Wir haben herzlich gelacht über diese Situation und ich bin den zweien echt dankbar, dass sie es mir nicht übelgenommen haben, dass ich diese fürchterlichen Szenario im Kopf hatte. Übrigens betreibt Yves mit seiner Freundin und seinen Eltern einer Werkzeugmacher Firma. Deshalb der "TT" Kein Grund, sich aufzuregen. (Ich muss schon wieder lachen!!!)
Die nächsten Tage vergingen wie halt Urlaub. Strand, Abendessen kochen, Abwaschdienste einteilen und auf deren Vollzug achten(!) Und Aaaachtung : Frühstück machen!!! Aber da wir eh nie vor neun aufgestanden sind, war das auch kein Problem. Vor acht Uhr morgens schaffe ich es einfach nicht, mir was in den Mund zu stecken. Da ist selbst meine Zahnbürste mein Feind! Und wenn die noch so hübsch ist! Ich krieg´s nicht rein!!! Nur mit Gewürg und unter stillem Protest. Soviel dazu.
Und immer fühlte ich mich irgendwie alleine. Wie schön wäre es, jemanden an meiner Seite zu haben. Jemanden, der meinen Kummer wegen Frida versteht und auch teilnimmt. Der mir mal den Zickenalarm mit klarer Ansage vertreibt, der mir einfach mal das Tanken oder einkaufen abnimmt. Oder mich ganz einfach mal in den Arm nimmt. Die Mädels mit bösen Blicken vertreibt und mit mir redet, kuschelt und lacht!!!
Meine Tage bestanden aus Organisation, Disziplin und Durchhalten. NICHT HEULEN! Heuler kommen nämlich auf die neue Robbenstation – na, und dann erst!
Irgendwann ging auch mein Auto nicht mehr an. Da man ja auf Rügen freundlicherweise mit Licht fährt wegen der Alleen (Da fällt mir gerade wieder das Lied von Elsterglanz ein) Und die "Biggy durch den Wind" mal wieder vergessen hat, das Licht aus zu schalten, machte es irgendwie nicht mal "Klick". Nix, nada, aus - diese Sch… Kiste!!
In diesem Augenblick hätte mir niemand ein Gewehr geben dürfen. Ich hätte am liebsten diese Dreckskarre auf der Stelle erschossen!!
So musste ich mich mit einem kräftigen Tritt gegen den Vorderreifen begnügen, der aber auch nicht die versprochene Erleichterung brachte. Mit Flip Flops. Klasse, Biggy! Mein linker Vorderzehennagel ist in der Länge nach gerissen. An diesen Morgen werde ich wohl noch lange denken…
Glücklicherweise und Dank meiner Kommunikationsfreude konnte ich einen alten Parteifunktionär aus Karl-Marx-Stadt , übrigens der Besitzer der Appartmenthäuser, einige zufällig vorbeikommende Spaziergänger und einen anderen Autofahrer dazu animieren, mein Auto die Bollwerkstraße hoch und runter zu schieben um diese Karre zum Laufen zu bringen. Nur die Mädels haben sich nicht sehen lassen. Sie haben sich in der Wohnung verbarrikadiert, weil ihnen das suuuuuuper peinlich war! Der Platz am Fenster war ihnen wohl genehmer….
War lustig. Brachte nur leider nix. Die Karre war leerleer. Und da es eher unüblich ist, Starterkabel im Sommer dabei zu haben, hatte ich schon ca. zehn Minuten (das war geschwindelt ;-))) zu tun, gleiches aufzutreiben. Bei einem Hamburger Pärchen hatte ich Glück. Und Gott sei Dank weiß ich, wie das geht und wo Plus und Minus ist- die hätten wohl mit ihrer Sachkenntnis beide Autos in die Luft gejagt! Oder lahmgelegt. Oder vielleicht beides zusammen.
Du kannst dir vorstellen, dass ich da an dem Zeitpunkt war, den Urlaub abzubrechen und retour nach Hause zu fahren. Frida ging es nur noch mit Schmerzmitteln gut, die zwei Großen haben ständig auf Freyja rumgehackt, die lässt sich natürlich nichts gefallen und legt zurück. Davon abgesehen, dass ich in den Augen der Großen sowieso nichts richtig gemacht habe und einfach nur peinlich war …. Mein Zeh tat weh. Ich bin um die Hüfte dicker geworden. Meine Haare sind dafür etwas dünner und meine Lippen schmaler. Aber nicht alles hat in meinem Gesicht abgenommen. Nein, nicht doch. Meine Tränensäcke haben sensationelle Größen angenommen. Und wenn es mal eine Wahl zur "Miss Tränensack" gibt, werde ich mich mit den besten Aussichten (aber nicht durch die Augen-logisch) anmelden ;-)))
Vielleicht lag es auch daran, dass ich die letzten Tage kaum geschlafen habe. Schließlich hab ich ja den Großen das Schlafzimmer überlassen und mit Freyja das Schlafsofa bezogen. Ich bin mir sicher, dass dieses Modell aus dem Prager Foltermuseum stammen muss! Ich hab schon viele kranke Sachen in meinem Leben erlebt. Aber das war im wahrsten Sinne des Wortes DIE HÄRTE!!!
Wenn ich mir das jetzt so durchlese, könnte man meinen, ich hätte nur zu meckern. Nein, so ist es eigentlich nicht. Trotz allen Widrigkeiten haben wir Glück gehabt. Das Apartment war super ausgestattet. Uns hat es an nichts gefehlt. Die hatten sogar einen Eierpieckser. Wie witzig! Und natürlich hatten mich die Natur und der herrliche Strand von Baabe wieder umgehauen. Als ich das erste Mal wieder am Strand stand und mir die Wellen um die Füße und der Wind mit meinen Haaren spielten, fühlte ich mich das erste Mal seit langer Zeit vollkommen eins mit der Natur. Wie winzig man sich fühlt, wenn man am Meer steht!! Und immer habe ich das Gefühl der Zuversicht. Schließlich ist das Meer uralt, und es geht immer weiter. Vieles ändert sich im Leben. Aber das Meer und der Wind werden immer ihr altes Lied singen. Morgen noch, und nächstes Jahr noch. Also, wird die Welt schon nicht untergehen. Sie wird wohl anders. So gerne hätte ich diesen Moment geteilt…
...so schöne Worte zum Schluss, da hab ich wirklich eine Träne im Knopfloch. Ja das Meer ist traumhaft, ich könnte es stundenlang nur anstarren.
AntwortenLöschenWir Gebirgler sind arm dran!
LG von Jana
Obwohl es uns ja gerade nicht an Wasser fehlt...
AntwortenLöschenIrgendwann wohn ich da oben. In einer kleinen Hütte ohne Telefon und Fernseher, dafür einer Töpferscheibe, einem Huhn und meinem Hund!!
was willst du denn mit einem Huhn :) ???
AntwortenLöschenNa frische Eier!!!
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