In den letzten drei Wochen wurde mein Mutterherz auf eine harte Probe gestellt. Meine Michi hat mit den härtesten Mitteln getestet, ob ich sie denn wirklich lieb habe.
Mein pubertierendes Kind war der Überzeugung, dass es überall auf der Welt schöner ist als zu Hause - und ist ausgezogen. Mit samt Schulsachen, Klamotten, Extensions und Glätteisen.
Dieser Aktion folgten drei Wochen lang Gespräche mit dem Jugendamt, der Polizei und meiner Schwiegermutter. Die übrigens ihre Sache als neue Ersatzmutter ziemlich gut gemeistert hat. Zumindest aus Michis Sicht.
Rico ist irgendwo in Vietnam unterwegs und kann weder eingreifen, noch irgendwie helfen und somit lag dieses Drama bei mir auf dem Tisch. Unsere wenigen Anrufe haben mir wenigstens wieder Mut gemacht. Es tat gut, nicht nur mit meinem Mann, sondern gleichzeitig auch mit meinem besten Freund zu reden. Auch wenn die Verbindung aus dem vietnamesischen Dschungel eher Sch... war.
Es ist schon hart, wenn man abends dasitzt und sich Gedanken macht, was zum Teufel man falsch gemacht hat. War ich zu streng? Oder gar zu nachgiebig? Vielleicht ein Fehler, Michi seit vielen Jahren mit auf diverse Festivals mit zu nehmen? Vielleicht ist es ja doch nicht gut, wenn man praktisch Backstage auf großen Bühnen mit Walls of Jericho und diversen anderen Bands aufwächst? Die Gedanken schweifen unablässig und mit schwerem Herz erinnert man sich an die Zeiten, als die Kleine laufen gelernt hat. Als ich zum Schulanfang in der Aula saß und Rotz und Wasser geheult habe, als die Einser-Popel im Gänsemarsch zum Podium zogen. Unvergessen auch der freche Jungen-Haarschnitt, da die Kleine nachts ihre Kaugummis lieber auf dem Kopfkissen statt im Müll deponiert hat. Wer weiß, ob man ihn nochmal brauchen kann?
Nun, lange Rede, kurzer Sinn, mein Kratzbürstchen wohnt nun wieder dort, wo sie hingehört.
Bei uns.
Trotzdem ist diese Zeit nicht spurlos an uns vorbeigegangen.
Freyja haben diese drei Wochen schlimm zugesetzt. Ihre Angst, dass die Familie kaputtgeht, ließ sie nachts nicht schlafen. Tagsüber ist sie wie ein Zombie rumgelaufen, von diversen Mathetests mal ganz zu schweigen. Also standen auch lange Gespräche mit Freyja auf dem Plan. Es war nicht leicht, sie davon zu überzeugen, dass es nicht schlimm sein muss, wenn sich Dinge verändern. Und mit einem Teenager in der Familie verändert sich ständig was! Und wenn es nur das ist, dass man irgendwann überlegt, ob man vielleicht eine Campingtoilette in den Keller stellt. Einfach nur, weil man praktisch kaum noch Zutritt zum Abort hat......
Auch mich hat diese Zeit mitgenommen. Im Augenblick habe ich wirklich damit zu tun, Michelle nicht ständig auf Schritt und Tritt zu beobachten. Wieder Vertrauen zu fassen.
Auf meiner Arbeit nicht ständig daran zu denken, was gerade zu Hause los ist. Ob noch alle da sind, wenn ich abends um neun nach Hause komme.
Och mennu!
Zur Zeit läuft es doch wieder vorbildlich. Michi hilft im Haushalt mit, wenn ich unterwegs bin. Geht mit Freyja zum Tanzen und ist auch wieder pünktlich zu Hause, wenn sie sich mit Freundinnen trifft. Ich hoffe nur, dass nicht einige dieser Freundinnen im Stimmbruch sind.....
Naja, wäre auch egal. Das wird sowieso irgendwann mal kommen.
So, jetzt muss ich mal los, mein Wochenendjob ruft!!!
Juhuuuu! Ich darf buntes Eis verkaufen!!!
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