Mittwoch, 11. August 2010

Das es sowas noch gibt...

Ich habe extra einen Tag gewartet, um diesen Eintrag zu schreiben. So aufgewühlt konnte ich einfach keinen zusammenhängenden Satz bilden.
Aber zurück auf Anfang.
Gestern morgen um fünf wurde ich wach, weil Frida neben mir weinte. Richtig von innen heraus und klagend jaulte. Sie hatte unbeschreibliche Schmerzen. Und nur, weil sie von Grund auf gut ist, hat sie mich an sich herangelassen. Ein anderer Hund hätte wohl gebissen..
Meine Nerven lagen blank. Ich wußte, daß die Tierklinik in Chemnitz die wirklich dringende OP nur durchführt, wenn man den Tausi auf den Tisch legt. Oder sie machen es als Notfall und behalten dann den Hund solange, bis das Geld in bar da ist. Kostenpunkt pro Tag: Einhundertfünfzig Euro!!
Den Tausi hab ich grade nicht da. Und so hab ich mich ans Telefon gehängt und durch die ganze Bundesrepublik telefoniert. Die Unikliniken in Dresden, Leipzig, Berlin und Rostock verfahren genauso. Ohne Ausnahme.
Der Tierschutzbund in Chemnitz hat mich an einen Dorfarzt überwiesen, der eventuell Ratenzahlung akzeptieren würde.
Jetzt ist ein Kreuzbandriss aber kein gebrochenes Bein. So eine OP sollte meiner Meinung nach jemand durchführen, der das auch beherrscht! Dieses Risiko würde ich niemals eingehen!
Irgendwann hatte ich eine Frau Holl aus Rathenow am Telefon. Sie ist eine aktive Tierschützerin und auch die Chefin der Tiertafel Deutschland. Und das erste Mal an diesem Tag hatte ich sowas wie einen Lichtblick.
Frau Holl fand -wie ich selber auch- dass es ein Skandal ist, einen schmerzenden Hund nach Hause zu schicken! Sie hat sich die Nummer der Tierklinik geben lassen und mir versprochen, dass wir noch heute eine Lösung für Frida finden. Der Tierarzt wird sich melden bei mir. Unser Gespräch dauerte nicht ganz fünf Minuten.
Eine Stunde später rief mich der Tierarzt an.
Er bestand auf seinen Geschäftsbedingungen und bot an, dass ich sofort Schmerztabletten holen kann. Zum Vorzugspreis. Mehr kann er nicht tun. Zitat:"Wer Geld braucht, muss zur Bank gehen und wer ein krankes Tier hat, geht eben zum Tierarzt...."
Ich war fassungslos. Für eine derartige Einstellung fehlen mir die Worte!
Nach diesem Telefonat rief ich nochmals bei Frau Holl an, um ihr den Stand der Dinge mitzuteilen.
Die Antwort aus Rathenow lautete: " Gehn sie los und holen sie die Tabletten. Und wenn sie schon mal da sind, machen sie einen OP Termin. Wir übernehmen die Kosten."
Ich konnte nicht antworten.
Ich hab aufgelegt und das erste Mal seit langer Zeit geflennt wie ein kleines Mädchen!!
Die Erleichterung, dass es nun endlich eine Lösung für ein scheinbar unlösbares Problem gibt, war einfach zu groß.
Das es sowas noch gibt....
Jetzt ist es vollbracht. Am Mittwoch nächste Woche wird Frida operiert und ich hoffe sehr, dass wir bald wieder unsere Lieblingsrunde durch den Rabensteiner Wald drehen können...

4 Kommentare:

  1. War ich ehrlich gesagt auch!
    Jetzt wollen wir mal die Daumen drücken, dass alles gut geht. Und Frida bald wieder laufen kann.

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  2. Haben die denn nicht mal Ratenzahlung angeboten?
    Unsere Tierklinik hier in HGW macht das!

    Kann das auch nicht nachvollziehen, da zählt nur der Kommerz und nicht das Tier.
    In der Humanmedizin ist es leider auch schon so :(

    Wünsche der Frida alles Gute, kleine Maus musst jetzt tapfer sein, aber bald kannst du wieder schmerzfrei laufen.

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  3. Hallo Kathrin,
    nein, Ratenzahlung ist nicht. Der Tierarzt meint, wer den goldenen Weg will (OP) muss ihn zahlen. Sofort auf den Tisch. Ansonsten kann der Hund auch noch ein halbes Jahr mit Schmerzmitteln leben. Das wäre der silberne Weg. Zur Not kann ein Hund auch auf drei Beinen laufen. (Nach der Amputation) Diesen Luxus haben wir Menschen schließlich nicht... Ehrlich gesagt, hab ich Gänsehaut bekommen, bei dieser Aussage. Aber es ist halt ein Spezialist auf diesem Gebiet und ich hab echt Bedenken mit Frida woanders hin zu gehen.
    Gott sei Dank gibt´s noch Frau Holl´s!!
    Danke für deine aufmunternden Worte! Wir werden sie brauchen!! Wenn ich kann, versuche ich mal die Röntgenbilder rein zu stellen.
    Und ich muss dir, was die Humanmedizin betrifft, leider auch Recht geben. Als ich mir vor drei Jahren die Nase gebrochen habe, wollte mich der Notarzt nicht behandeln, weil ich die zehn Euro "Notfallgebühr" nicht dabei hatte...

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