Samstag, 7. August 2010

Michelle ist weg

Am Donnerstag hatte ich einen sehr schweren Tag.
Ich musste einstweiligen Rechtsschutz gegen eine Chemnitzer Behörde beantragen. Es ging einfach nicht anders.
Michelle hab ich mitgenommen. So, wie ich sie die anderen Behördenwege auch mitgenommen habe. Damit sie sieht, dass das Leben eben kein Ponyhof ist und alles gut geht, solange man nur hübsch genug aussieht.
Am Ende kam es auf dem Rückweg im Auto zu einem heftigen Streit. Sicherlich ist sie derzeit sensibilisiert, wenn es um sozialen und materiellen Reichtum geht. In dem Alter ist das glaube ich, normal. Doch irgendwie scheint ihr überhaupt nicht aufzufallen, dass Rico und ich derzeit wie die Wilden um ein normales Auskommen kämpfen. Ein paar Rückschläge reichen oftmals schon aus, um Träume wie Seifenblasen platzen zu lassen
Da hatte ich für die gewünschten Extensions eben einfach keinen Nerv!!
Als wir wieder zu Hause waren, hab ich Michi rausgelassen und bin gleich in meinen Garten gefahren um einfach mal runterzukommen.
Beim Kräuterbeet putzen und Zwiebeln ernten, umgraben, Kartoffen ausgraben und Weg scheuern konnte ich meinen Frust und meine Wut wunderbar ausschwitzen.
Am Ende zitterten mir die Knie und die Arme vor Anstrengung, aber ich war mit frischer Luft vollgepumt und meine negativen Energien komplett verschwunden!!
Bis zu Rico´s Anruf. Ich konnte es einfach nicht fassen.
Michelle hat einen Zettel hinterlassen und ist aus Freyja´s Kinderzimmerfenster gesprungen.
Sie fühlt sich unverstanden und nicht genug geliebt.
Jetzt muss ich mal zur Erklärung für nicht Teenager- Erprobte dazufügen, dass das aber nicht so einfach ist.
Einfach mal in den Arm nehmen ist nämlich nicht! Man muss ein wirklich gutes Gespür für den richtigen Momet entwickeln! Denn oftmals wird man schon bei dem Versuch einer Umarmung aprupt zurückgewiesen, weil sich das Kind für derlei Mist schon viel zu alt fühlt. Im nächsten Augenblick kann das schon anders aussehen, da wird die Kratzbürste zur Schmusekatze. Das ist irgendwie verwirrend für mich.
Zumindest hat sie jetzt den Schritt gewagt, einfach abzuhauen!
Mein mütterlicher Instinkt hat mir sofort einen Wink gegeben, wo sie ist. Und nach einem Anruf bei meiner Schwiegermutter stand wenigstens fest, dass Michelle nicht draussen schlafen wollte.
Derzeit befinden wir uns in einem Karusell der Gefühle. Wir sind unglaublich verletzt und wütend. Wir sind nun wirklich keine Menschen, mit denen man nicht reden kann. Und wir dachten, dass auch Michelle das weiß!
Aus gutem Grund haben wir sie NICHT gleich zurückgeholt. Wenn es nach meinem Mann gegangen wäre, würde Michelle ab sofort ganz oben in einem Turm wohnen! Ohne Handy!
Ich hab jetzt erstmal zu tun, Rico runter zu bringen und mich auch. Ich hoffe, bis morgen gelingt mir das, denn da wird Michelle von der Oma zurück gebracht. Ich weiß nicht, ob ich da schon in der Lage bin, mit meiner Tochter zu reden.
Mal sehen, wie das weitergeht...

5 Kommentare:

  1. ...im Zweifelsfall hilft ein abschreckender Blick hinter die Kulissen, ich sage nur Bahnhofsmission oder das Obdachlosenheim...sie lebt in einer künstlichen Scheinwelt, die ihr das Internet und TV tagtäglich suggerieren...gib dir nicht die Schuld Biggi, du bist wirklich eine sehr liebe und außergewöhnliche Mutti!!!!

    ...und unser Mercedes hat zwar einen gewissen Wert, gehört aber trotzdem der Bank ... erzähl der Großen mal was über die wenig wirklich reichen Menschen und über die vielen, die nur dazugehören wollen...

    ...ihr packt das schon, ihr habt schon son viele Niederlagen gemeinsam gemeistert!

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  2. Jana, du tust mir soooo gut! Was ich heute noch nach der Rückkehr meiner Tochter so erlebt habe, schreibe ich lieber nicht in den Blog. Außer- dass ich jetzt wohl die Karte haben soll. Aber nicht mit mir! Bin ja gespannt, wie das weitergeht.

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  3. Oh ja, da kommt mir alles sooo bekannt vor.
    Teeniealter - da steht man als Elternteil daneben und weiß nicht, wie man sie wachrütteln sollie wollen es einfach nicht sehen und fühlen sich immer unverstanden.

    Zum Glück sind meine Mädels da jetzt schon eine weile raus!

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  4. Du Glückliche!
    Hast du einen Tipp, wie man das übersteht? Jana meint, dass wäre der Anfang einer sehr schweren Zeit...
    Ich hab überlegt, ob ich mich bei einem Yogakurs anmelde - oder doch lieber Karate? Laufschuhe...Gin Tonic... Keine Ahnung! Was hast du gemacht?

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  5. Die Tür zu- und hab sie sich abreagieren lassen.
    Musik angemacht und ne Flasche Wein auf.

    Was meinste wie die Mädels geguckt haben , weil die Alte sich nicht aufregte???

    Habe ihnen gewissen Freiraum gelassen und habe damals ihre Freunde und Freundinnen(Punks! ) zu uns eingeladen. Bin dabei auch über meinen Schatten gesprungen und habe mich an meine eigene Jugendzeit erinnert UND - ich war auch nicht viel anders!
    Meine armen Eltern! :)

    Versuche bloß nicht in diesem Alter auf Freundin zu machen, das können Teenies überhaupt nicht ab! Da sehen sie dann eine Konkurrentin in dir!

    Es ist halt nicht einfach, aber ihr packt das!

    LG Kathrin

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